EZB-Leitzinsen: Auswirkungen der Geldpolitik auf Kredite, Aktien und Ihren nächsten Urlaub

Leitzins

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seit Jahren beinahe täglich in den Schlagzeilen. Auf sich aufmerksam gemacht hat sie in der jüngeren Vergangenheit vor allem durch Senkungen des Leitzinssatzes. Durch diese quantitative Lockerung soll das Wirtschaftswachstum innerhalb der EU gefördert werden. Das mag auf den ersten Blick sehr abstrakt klingen du interessiert viele Verbraucher nur am Rande. Dabei haben die Entscheidungen der Währungshüter einen großen Einfluss auf jeden einzelnen Bürger der EU. Insbesondere macht sich das in sinkenden Kredit- und Sparzinsen, steigenden Aktienkursen und teureren Urlauben bemerkbar.

Warum erhöht oder senkt die EZB den Leitzins?

Zunächst müssen Verbraucher verstehen, was der Leitzins überhaupt ist. Einfach gesagt handelt es sich um den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können. Dieses geliehene Geld wird dann an Unternehmen oder Privatpersonen weiter verliehen. Je geringer der Leitzins ausfällt, desto geringer sind auch die Zinsen für Unternehmen und Privatpersonen. Folglich steigt die Nachfrage nach Krediten. Das geliehen Geld wird anschließend für Investitionen und Konsumausgaben genutzt, wodurch letztlich das Wirtschaftswachstum steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt.

Die Leitzinssenkungen haben allerdings auch negative Aspekte. Durch die erhöhte Kreditvergabe kommt viel Geld in Umlauf. Als Folge steigt die Inflation. In der Regel erhöht die Zentralbank die Zinsen wieder, sobald sich die Wirtschaft von einer vorherigen Krise erholt hat.

Aktuell befindet sich der Leitzins der EZB auf einem Rekordtief. Nie zuvor verlangte die Zentralbank geringere Kosten für die Kapitalüberlassung. Die Niedrigzinspolitik soll den immer noch spürbaren Auswirkungen der Finanzkrise 2008 und der Schuldenkrise 2011 entgegenwirken.

Die Auswirkungen auf die Kreditzinsen

EURIBOR Entwicklung
EURIBOR Entwicklung: Grün (Täglich), Blau 83-Monats), Rot (Jährlich).

In der obigen Grafik ist die Entwicklung des EURIBORs abgebildet. Die Zinsen vieler flexibel verzinslicher Darlehen richten sich genau nach diesem Index. Wie gut zu erkennen ist, fiel der EURIBOR in den vergangenen Jahren stark. Das lag genau an dem beschriebenen Mechanismus der Zinssenkungen der EZB.

Aktuell sind Darlehen also sehr günstig. Besonders spürbar ist das im Bereich der Baufinanzierung. Die Kreditvergabe für Immobilien ist für Banken vergleichsweise risikoarm und daher ohnehin zinsgünstig. Gepaart mit der aktuellen Niedrigzinspolitik der EZB ergibt sich im Jahr 2016 ein idealer Zeitpunkt für einen Neubau oder Immobilienkauf. Die Zinsbindungsphase sollte dabei möglichst lang gewählt werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Zinsen auf mittlere Sicht wieder ansteigen werden. Weitere Zinssenkungen sind hingegen kaum noch möglich, auf kurze Sicht wird das aktuelle Niveau aber beibehalten.

Die Sparzinsen sinken

Wer einen Kredit aufnehmen möchte, profitiert also von der lockeren Geldpolitik der EZB. Hingegen leiden Sparer unter den niedrigen Zinsen. Diese übertragen sich nämlich direkt auf Tagesgeld, Festgeld und Co. Noch vor der Finanzkrise 2008 waren Festgeldzinsen zwischen drei und vier Prozent p.a. nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Große Banken bieten heute teilweise nur noch unter einem Prozent p.a. für Festgeldanlagen.

Dennoch zählt Festgeld weiterhin zu den beliebtesten Anlageformen. Nicht zuletzt spielt die Sicherheit des Investments dabei eine große Rolle. Wer trotz Niedrigzinspolitik noch eine angemessene Rendite erwirtschaften möchte, sollte die Zinsen vergleichen. Insbesondere bei Direktbanken erhalten Sparer noch einen verhältnismäßig hohen Gewinn. Auch die Festgeldanlage im Ausland über Anbieter wie Savedo ist vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase attraktiv.

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Starke Kurssteigerungen an den Aktienmärkten

Was für herkömmliche Sparer ärgerlich ist, erfreut seit einigen Jahren etwas risikobereitere Anleger. An den Börsen sind seit 2010 starke Kurssteigerungen zu erkennen. Der deutsche Leitindex DAX legte zwischen 2010 und 2015 um mehr als 10 % pro Jahr. Auch der amerikanische Dow Jones konnte stark an Wert gewinnen. Die amerikanische Zentralbank FED senkte den Leitzins nämlich ebenfalls kontinuierlich.

Aufgrund der Entwicklung warnen einige Skeptiker aber gleichzeitig vor einer erneuten Blasenbildung. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario aktuell eher gering – auch wenn etwa der DAX in den letzten Wochen wieder etwas an Stärke verlor.

George Soros, seines Zeichens Multimilliardär und Investorenlegende, machte auf einer Wirtschaftskonferenz in Davos darauf aufmerksam, dass der starke Wertgewinn der Aktien die Kluft zwischen Arm und Reich größer werden lasse. Führende Ökonomen halten das für durchaus denkbar, sind es doch vor allem Besserverdiener und Wohlhabende, die ihr Geld in Aktien investieren. Aber auch Kleinanleger sollten in Zeiten niedriger Zinsen einen Teil ihres Kapitals an die Finanzmärkte bringen. Dazu eignen sich für Kleinanleger insbesondere kostengünstige ETFs. Auch eine Investition in Devisen kann für etwas erfahrenere Anleger interessant sein.

Kursentwicklung des DAX (links) und des Dow Jones (rechts) in den letzten fünf Jahren.
Kursentwicklung des DAX (links) und des Dow Jones (rechts) in den letzten fünf Jahren. (Quelle: finanzen.net)

Der Urlaub wird teurer

Die Zinspolitik der EZB wirkt nicht nur auf die Finanzen privater Sparer, sondern auch auf den Alltag aller EU-Bürger. Durch die aktuelle Geldpolitik verliert der Euro im Vergleich zu anderen Währungen an Stärke. Insbesondere gegenüber dem Dollar sind seit Anfang 2015 starke Kurseinbrüche zu verzeichnen. Die amerikanische FED wird nämlich – im Gegensatz zur EZB – den Leitzins in naher Zukunft wieder etwas erhöhen.

Durch den schwachen Euro ist vor allem der Urlaub in fremden Währungsräumen teuer. Wer derzeit in die USA reisen möchte, zahlt für den Aufenthalt vor Ort rund 20 bis 30 % mehr Geld als noch im Jahr 2014, wie ein Blick auf die Entwicklung des Devisenkurses zeigt.

Entwicklung des Devisenkurses EUR / USD in den letzten drei Jahren. (Quelle: finanzen.net)
Entwicklung des Devisenkurses EUR / USD in den letzten drei Jahren. (Quelle: finanzen.net)

Positiv am schwachen Euro ist wiederum, dass der Export heimischer Waren ansteigt. Für ausländische Unternehmen und Verbraucher sind die europäischen Produkte durch die EZB-Zinspolitik nämlich deutlich günstiger geworden. Gleichzeitig sind Importe im Jahr 2016 sehr teuer. Klassische Importprodukte wie Bananen, Schweizer Schokolade oder chinesische Spielwaren werden dadurch in Zukunft vermutlich teurer.

Fazit: Niedrigzinspolitik macht Aktieninvestitionen attraktiver und Urlaub teurer

Die Zinspolitik der EZB ist kein theoretisches Konstrukt, das lediglich für Ökonomen von Bedeutung ist. Die Entscheidungsträger in Brüssel haben einen direkten Einfluss auf das Alltagsleben aller Europäer. Insbesondere macht sich das durch sinkende Sparzinsen und steigende Aktienkurse bemerkbar, weshalb Kleinanleger vermehrt in Aktien investieren. Ein dauerhaft schwacher Euro führt aber auch dazu, dass Importprodukte für alle Verbraucher teurer werden. Ebenso dürfte sich der nächste Auslandsurlaub in den USA, Großbritannien oder der Schweiz deutlich kostenintensiver gestalten.

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