Was ist Helikopter-Geld und wie soll es die Wirtschaft ankurbeln?

Was ist Helikoptergeld

Der Begriff „Helikoptergeld“ stammt bereits aus dem 20. Jahrhundert, ist vor dem Hintergrund der aktuellen EZB-Politik aber aktueller denn je. Bildlich gesprochen meint Helikoptergeld, dass ein Hubschrauber Geld direkt über Privathäusern abwirft. Eine sehr treffende Beschreibung: In der Tat würde die EZB die Inflation durch direkte Zahlungen an die Bürger ankurbeln und den Umweg über die Geschäftsbanken durch das Helikoptergeld umgehen. Doch ist dieses Szenario wirklich realistisch? Was wären die Vor- und Nachteile einer solchen Geldpolitik?

Das Konzept des Helikoptergelds im Detail

Milton Friedmann war 1969 der erste Ökonom, der über die Praxis des Helikoptergelds nachdachte:

„Lasst uns annehmen, dass eines Tages ein Hubschrauber über diese Gemeinde fliegt und zusätzliche 1000 Dollar in Form von Geldscheinen abwirft, die natürlich von den Bewohnern hastig eingesammelt werden. Setzen wir weiter voraus, dass jeder überzeugt ist, dass dies ein einmaliges Ereignis sei, das niemals wiederholt wird.“

Umgangssprachlich ausgedrückt verschenkt die Zentralbank Geld an die Bürger eines Staates bzw. eines ganzen Währungsraumes. Dadurch soll die Inflation erhöht werden, um die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln. Notwendig ist diese Praxis, wenn die normalen geldpolitischen Instrumente der Zentralbank nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigen.

Was spricht für das Helikoptergeld?

Obwohl Friedman bereits 1969 vom Helikoptergeld sprach, scheint die Diskussion hierüber aktueller denn je. Trotz Niedrigzinsen schafft es die EZB nicht, die Inflation auf die angestrebten 2 Prozent zu bringen und die europäische Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Zwar leihen sich die Geschäftsbanken günstiges Geld bei der Zentralbank, sie geben es aber zum Großteil nicht in den Wirtschaftskreislauf weiter. Das Helikoptergeld würde die Zwischeninstanz der Geschäftsbanken überspringen und laut der Befürworter damit eines der aktuellen Hauptprobleme lösen.

Zu den Befürwortern zählen unter anderem renommierte Ökonomen wie der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers oder Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht. Selbst EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat sich überraschenderweise nicht grundsätzlich gegen das Helikoptergeld ausgesprochen – und die Diskussion über dieses Instrument damit befeuert.

Was spricht gegen das Helikoptergeld?

Nachdem sich sowohl Praet als auch EZB-Chef Draghi Mitte März zum Helikoptergeld geäußert hatten, sah sich der deutsche Bundesbankchef Jens Weidmann zu einer Stellungnahme genötigt: „Das wäre nichts anderes als die vollständige Vermengung von Geldpolitik und Fiskalpolitik und mit der Notenbankunabhängigkeit nicht vereinbar.“ Geldpolitik sei kein Allheilmittel und ersetze nicht die dringend notwendigen Reformen in einzelnen Ländern. Auch andere Kritiker meldeten sich schnell zu Wort. Die Kernargumente gegen das Helikoptergeld:

  • Die wirtschaftliche Wirkung des Helikoptergelds sei maximal kurzfristig.
  • Politisch würde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, der die Illusion nähren würde, die Zentralbank könne alle Probleme durch das Drucken von Geld lösen.
  • Die Ausschüttung des Helikoptergelds komme einer Staatsfinanzierung gleich, die der EZB ausdrücklich verboten sei. Aus gutem Grund: In der Vergangenheit sei es in Ländern, die Geld zur Bekämpfung der Staatsverschuldung drucken ließen, schnell zu Hyperinflationen gekommen.
  • Das Helikoptergeld würde kaum zum Konsum eingesetzt werden. Das zeigt beispielsweise der starke Fall des Ölpreises, der ebenfalls nicht zu mehr Konsum führte. Vielmehr würden die Profiteure des Helikoptergelds Schulden abbauen bzw. Vermögen aufbauen.

Ist die Einführung des Helikoptergelds realistisch?

Die aktuellen Debatten über das Helikoptergeld sind durchaus handfest und gingen vor allem aus Kolumnen der Financial Times hervor. Bemerkenswert ist, dass hochrangige EZB-Verantwortliche Stellung zu den Artikeln nahmen und sich durchaus positiv zum Helikoptergeld äußerten. Draghi sprach sogar von einem „sehr interessanten Konzept“, das allerdings bisher kaum im EZB-Rat diskutiert worden sein. Wenn das Helikoptergeld kein Thema wäre, warum dann darüber diskutieren?

Gegen die Einführung könnten tatsächlich nicht nur ökonomische, sondern vor allem rechtliche Bedenken sprechen. Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, soll verlauten lassen haben, die Grenzen des Zentralbankmandats notfalls vor Gericht klären zu lassen. Zwar dementierte Schäuble diese recht drastischen Aussagen, betonte aber gleichzeitig, dass die Unabhängigkeit der EZB nur im Rahmen ihres aktuellen gesetzlichen Mandats gelte.

Wie würde das Helikoptergeld ausgeschüttet?

Für den Fall, dass sich die EZB tatsächlich für die Einführung des Helikoptergelds entscheidet, kann dieses auf vier Wegen ausgeschüttet werden:

  1. Das Geld wird auf die Konten jedes einzelnen Bürgers überwiesen, damit diese das Kapital direkt verwenden können. Das Szenario scheint aber vor dem Hintergrund des hohen Verwaltungsaufwandes recht unrealistisch.
  2. Die Bürger selbst könnten deutlich eher durch Steuergutschriften vom Helikoptergeld profitieren. Die Staaten würden die Steuersenkungen durchführen und die EZB das nötige Geld hierfür bereitstellen. Im Jahr 2008 hat die USA eine solche Methode erstmals getestet. Kostenpunkt: 150 Milliarden US-Dollar.
  3. Die EZB könnte das Geld auch direkt an die Mitgliedsstaaten überweisen. Diese würden es dann frei verwenden können und etwa in Straßen, Kitas oder andere Großprojekte investieren. Solche Konjunkturpakete wurden in den vergangenen Jahrzehnten von vielen Regierungen bewilligt.
  4. Einige Ökonomen sprachen sich dafür aus, das Geld an die Geschäftsbanken zu verteilen. Diese sollen das Geld aber nur erhalten, wenn sie es direkt über zinsgünstige Kredite in den Wirtschaftskreislauf einfließen lassen.

Fazit: Helikoptergeld als Geldgeschenk für die Wirtschaft

Der Kerngedanke des Helikoptergelds ist simpel: Die Zentralbank verschenkt Geld an Bürger oder Staaten, die dieses schnell ausgegeben und dadurch die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Die Methode ist allerdings sowohl ökonomisch als auch rechtlich hochgradig umstritten. Kritiker sehen in ihr einen gefährlichen Präzedenzfall, der die Befugnisse der EZB weit überschreitet. Dennoch befassen sich hochrangige EZB-Politiker allem Anschein nach mit der Einführung des Helikoptergelds. Ob es letztlich tatsächlich eingeführt wird, bleibt aber abzuwarten.

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