Schwacher Euro: Erneute Griechenlandprobleme und politische Situation schaden der Währung

Griechenland Euro

Schon seit Monaten befindet sich der Euro auf Talfahrt. Erst gestern, am 21.02.2017, erreichte die Gemeinschaftswährung ein 6-Wochen-Tief und fiel im Vergleich zum US-Dollar unter einen Wert von 1,055. Begründet ist die Schwächephase vor allem in der wieder aufflammenden Diskussion über Hilfen für Griechenland, weil Uneinigkeit über die Modalitäten des dritten Hilfspakets herrscht. Zudem befeuert die ungewisse politische Situation vor den Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden Spekulationen über ein Auseinanderfallen des Euro-Raums.

Uneinigkeit zwischen Griechenland und Troika

Am Montag berieten die Euro-Finanzminister erneut über Griechenland, das ob der Flüchtlingskrise beinahe aus der medialen Berichterstattung verschwunden war. Der Grund: Derzeit läuft das dritte Hilfsprogramm seit 2010, das noch bis Mitte 2018 andauern soll. Allerdings kam es bisher nicht zu einer Einigung zwischen den Geldgebern und dem hoch verschuldeten Land bezüglich der laufenden Reform-Prüfrunde. Denn die gewährten Kredite und Zahlungen sind an strikte Bedingungen gebunden, die Griechenland zu Reformen zwingen. Doch der Mittelmeerstaat hat längst nicht alle Anforderungen erfüllt, auch wenn sich die Haushaltssituation an sich seit 2010 deutlich verbessert hat.

Erst wenn die Prüfungskommission ein positives Votum abgibt, will der Internationale Währungsfonds (IWF) entscheiden, ob er sich an weiteren Hilfsprogrammen beteiligt oder nicht. Am heutigen Mittwoch findet hierzu ein Gespräch zwischen IWF-Chefin Christine Legard und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt. Der deutsche Finanzminister Schoible (CDU) gab sich allerdings positiv, dass eine entsprechende Einigung erzielt wird.

Griechenland muss weitere Reformen anstreben, um Gelder zu erhalten

Einig waren sich die EU-Finanzminister am Montag in Brüssel darüber, dass Griechenland den Reformprozess noch lange nicht abgeschlossen hat:

  • Der Arbeitsmarkt ist immer noch in einem äußert schlechten Zustand.
  • Die staatliche Rente steht auf wackeligen Beinen, unter anderem bedingt durch das niedrige Renteneintrittsalter.
Rückgang der griechischen Arbeitslosenquote auf einem immer noch sehr hohen Niveau. Als bedenklich gelten bereits Werte von über 10 Prozent. (Quelle: statista.de)
*Schätzungen

Rein auf den Haushalt bezogen gibt es allerdings auch positive Stimmen. Klaus Regling, der Chef des EU-Rettungsfonds (ESM), sieht derzeit keine Notwendigkeit für ein mögliches viertes Rettungspaket nach 2018: „Wenn die nächsten 18 Monate gut genutzt werden, bin ich zuversichtlich, dass dies das letzte Programm ist, das Griechenland machen muss“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. In 1,5 Jahren solle Griechenland demnach so weit sein, dass es sich wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen könne.

Euro auf Talfahrt

Die erneute Uneinigkeit zwischen Griechenland und der EU spielt Euro-Gegnern in die Karten. Wieder einmal wurde die Wirksamkeit der Brüsseler Mittel bemängelt, konnte sich die Troika doch erneut nicht komplett gegen die griechische Regierung durchsetzen. Nach einem kurzen Erstarken der Währung am Jahresanfang ging es daher in den vergangenen drei Wochen für den Euro wieder auf Talfahrt:

(Quelle: finanzen.at)

Doch dies ist nicht der einzige Grund für die derzeit schlechte Lage der Währung. Denn 2017 ist ein Superwahljahr in dem gleich in drei großen EU-Nationen neue Regierungen gewählt werden. Vor allem in Frankreich und den Niederlanden verspüren die EU-Gegner klaren Aufwind, Marie Le Pen von der rechtspopulistischen Partei Front National liegt in Umfragen fast gleichauf mit Konkurrenten der alteingesessenen Parteien.

In den Niederlanden liegt der offen ausländer- und europafeindliche Politiker Geert Wilders sogar vor anderen Kandidaten. Durch das Parteiensystem der Niederlande ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Wilders Partei letztlich die Regierung stellen wird. Ähnlich sieht die Lage in Deutschland aus. Zwar liegt die EU-kritische AFD derzeit in Umfragen bei rund 10 Prozentpunkten, eine Regierungsbeteiligung oder gar eine signifikante Erhöhung dieser Werte gilt jedoch als ausgeschlossen.

Wie geht es weiter?

Eine Prognose der Entwicklung an den Devisenmärkten und den übrigen Börsen bis zum Jahresende fällt schwer. Noch sorgt vor allem die Wahl von US-Präsident Trump für einen anhaltenden Aufschwung, möchte dieser doch die von Obama eingeführten Finanzmarkt-Regulierungen deutlich lockern. Ganz Europa blickt jetzt auf die Wahl in den Niederlanden, die am 15.03. stattfinden wird. Eine Wahl pro Wilders wäre ein klares Zeichen der Holländer gegen den Euro – auch wenn ein „Nexit“ selbst bei einem Wahlsieg Wilders unwahrscheinlich ist.

Rund einen Monat später geht es dann in Frankreich weiter. Ein Wahlsieg Le Pens und die Regierungsbildung durch den Front National sind auch hier aufgrund des Wahlsystems ebenfalls unwahrscheinlich. Reagieren werden die Märkte auf beide Wahlen aber auf jeden Fall, denn ein weiteres Erstarken der EU-Kritiker und Rechtspopulisten gilt als Gefahr für den Zusammenhalt der Europäischen Union. Nicht zuletzt kann dazu auch die deutsche Wahl im September beitragen, sollte die AFD überraschend Werte von über 15 Prozent erzielen können – bei denen sie in Umfragen zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise bereits lag.

Fazit: 2017 wird ein turbulentes Jahr für Anleger

Griechenland und die Wahlen in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich dürften die politischen Themen im Jahr 2017 sein, die den größten Einfluss auf die Märkte haben – zumindest in Europa. Noch reagieren die Börsen an sich kaum auf die Diskussionen um neue Hilfspakete und mögliche EU-Austritte, auch weil praktische alle großen Leitindizes nach der Wahl Trumps große Kurssprünge verzeichnen konnten. Sollten es die EU-Kritiker und Rechtspopulisten allerdings schaffen, hohe Stimmenanteile in den großen Parlamenten zu erhalten, wird es an den Märkten zu einigen Turbulenzen kommen. Die langfristigen Auswirkungen sind jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhersehbar.

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