Was ist ein Hexensabbat?

Hexensabbat

Genau viermal im Jahr sind die drei weltweit wichtigsten Derivatebörsen vom sogenannten Hexensabbat betroffen. Dabei hüpfen die Aktienkurse scheinbar unkontrolliert auf und ab. Verantwortlich hierfür sind allerdings weder Nachrichten von Unternehmen noch die Lage der Wirtschaft oder gar übersinnliche Kräfte. Denn am dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals verfallen Terminkontrakte wie Futures oder Optionen.

Warum spielen die Kurse verrückt?

Am Hexensabbat sind die Kurse ein reiner Spielball der Anlageprofis. Denn nicht die Aktienkurse selbst bestimmen die Stände von Derivaten wie Futures oder Optionen, sondern umgekehrt.

Das Prinzip: Wer eine solche Position hält, für den ist die Entwicklung eines Kurses zum Laufzeitende von Bedeutung. Entsprechend versuchen Großanleger oder institutionelle Investoren, die Kurse durch den aktiven Kauf oder Verkauf des Basiswerts (meist eine Aktie) zum Verfallszeitpunkt des Derivats zu manipulieren. Dadurch lassen sich Verluste noch etwas einschränken und Gewinne entsprechend erhöhen.

Doch nicht jeder Großinvestor hält dieselben Futures und Optionen. Hier kann es auch gegenläufige Positionen geben. Beispielsweise profitiert Investor A von einem Kursanstieg bei Aktie A und Investor B von einem Kursverlust. Entsprechend volatil entwickeln sich die Märkte aufgrund der gegenläufigen Manipulationsversuche am Hexensabbat.

Termine des Hexensabbats

Der „große Verfallstag“ findet stets im letzten Monat des Quartals am drittletzten Freitag statt. Bedeutet also, dass Anleger sich vor alle folgende Monate merken sollten:

  • März
  • Juni
  • September
  • Dezember

Zu diesem Termin verfallen beispielsweise an der Terminbörse Eurex insgesamt drei Kategorien von Derivaten:

  1. Um genau 12 Uhr verfallen die Futures und Optionen auf die europäischen Stoxx-Indizes.
  2. Eine Stunde später, also um 13 Uhr, ist die Laufzeit von Futures und Optionen auf den Dax und TecDax beendet.
  3. Fünf Minuten später sind dann auch die Futures auf den MDax fällig.

Zum Abschluss des Handelstages werden um 17:30 Uhr dann noch die Optionen auf Einzelaktien abgerechnet. Dieses Zusammentreffen von auslaufenden Futures UND Optionen auf Aktien bzw. Indizes findest lediglich viermal im Jahr statt. Denn auch wenn Aktienoptionen monatlich auslaufen können, enden Futures immer nur alle drei Monate.

Selbiges gilt auch für anderen Märkte, beispielsweise laufen in den USA ebenfalls alle Derivate zu diesen „großen Handelstagen“ aus. Lediglich die Uhrzeiten sind entsprechend anders, Dow Jones, S&P 500 und Co. verhalten sich dann aber ebenfalls äußerst volatil.

Beispielhaftes Verhalten eines Großinvestors

Um zu veranschaulichen, was am Hexensabbat wirklich passiert, sei ein großer Investor betrachtet. Dieser verfügt über Long-Optionen auf den Dax, setzt dabei auf eine Kurssteigerung des Indizes auf über 10.000 Punkte. Erst dann profitiert der Investor von der Ausübung des Optionsrechts, andernfalls würde er dieses verfallen lassen – und hätte damit vereinfacht gesprochen einen Verlust in Höhe der Kaufprämie erwirtschaftet.

Zu Handelsbeginn liege der Dax noch bei 9.930 Punkten. Folglich entschließt sich der Investor, den Versuch einer Kurssteigerung zu unternehmen. Am einfachsten ist dies möglich, indem stark gewichtete Dax-Aktien – beispielsweise Siemens, Bayer oder SAP – gekauft werden. Denn dann steigt die Nachfrage nach Wertpapieren dieser Konzerne, was zu einer Steigerung der jeweiligen Aktienpreise führt. Weil sich der Dax aus eben diesen Aktien zusammensetzt und deren Kurse steigen, steigt der Kurs des Index ebenfalls auf beispielsweise 10.080 Punkte an. Der Großinvestor übt sein Optionsrecht aus und erzielt einen Gewinn.

Privatanleger sollten Vorsicht walten lassen

Kursbewegungen am dreifachen Hexensabbat laufen also immer äußerst hektisch und unmotiviert ab. Je nachdem, ob Short- oder Long-Optionen in der Mehrheit sind, fallen oder steigen die Kurse. Was bedeutet dies für Privatanleger? Investitionen an diesen Tagen sind mit besonderen Risiken verbunden, die bei Aktiengeschäften berücksichtigt werden müssen.

Kursschwankungen von mehreren Prozentpunkten sind keine Ausnahme, sondern die absolute Regel. Wer dennoch investieren möchte, sollte folgendes beachten:

  • Charttechnische Trends und normale Nachrichten haben zwar auch am Hexensabbat einen Einfluss auf die Kurse, dieser fällt aber vergleichsweise gering aus.
  • Deutlich interessanter ist die Anzahl der offenen Positionen, „open interest“ Überwiegen die Short-Positionen, die am Hexensabbat auslaufen, so sind Kursverluste eher wahrscheinlich als Kursanstiege. Bei einem Überhang von Long-Positionen gilt entsprechend das Gegenteil.
  • Echte Trends entstehen nur in besonderen Ausnahmefällen am Hexensabbat. Wer langfristig an Investitionen in bestimmte Aktien interessiert ist, kann den Handelstag daher nicht als Prognosewert verwenden. Dennoch lassen sich am Hexensabbat mitunter gute Kaufkurse erzielen.
  • Bei allen Käufen und Verkäufen sollten garantierte Stopps und Limits verwendet werden, um nicht von kurzfristigen Schwankungen überrascht zu werden.

Fazit: Hexensabbat ist der Verfallstag vieler Optionen und Futures

Genau viermal im Jahr am dritten Freitag im dritten Monat eines Quartals spielen die Kurse an den Börsen scheinbar verrückt. Schuld hieran sind allerdings keine übernatürlichen Mächte, sondern das Auslaufen vieler Futures und Optionen auf große Indizes. In letzter Minute versuchen Großinvestoren, die Kursbewegungen zum Fälligkeitsdatum noch zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Aus diesem Zweck kaufen und verkaufen sie Aktien, wobei unterschiedliche Großinvestoren natürlich auch gegenläufige Interessen verfolgen können. Daher verhalten sich fast alle großen Märkte an diesen Tagen äußerst volatil. Kleinanlegern ist grundsätzlich zu empfehlen, sich an diesem Tag vom Börsengeschehen fernzuhalten und den Handel erst am folgenden Montag wieder aufzunehmen.

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