Ein regelmäßiges passives Einkommen aus Dividenden klingt auf den ersten Blick verlockend, doch die Dividendenstrategien die oft in Büchern und von selbst ernannten Börsen-Gurus propagiert werden, haben auch einige gravierende Nachteile die sich negativ auf den langfristigen Ertrag und die Gesamtrendite auswirken. Sie sollten diese kennen, bevor sie anfangen, gezielt Dividendenaktien zu kaufen oder in ausschüttende Dividenden-ETFs und Dividenden-Fonds oder Sparpläne zu investieren. Hier die 5 größten Nachteile einer Dividendenstrategie:
1. Steuern werden sofort bei Ausschüttung abgezogen
Wer eine Dividende ausgeschüttet bekommt, zahlt darauf sofort 27,50 % Kapitalertragssteuer in Österreich. Von 100 € Dividende landen somit nur noch 82,50 € auf dem Verrechnungskonto des Depots.
Wenn es nicht gleich wieder veranlagt wird, generiert dieser Betrag dort je nach Broker oft keine oder nur geringe Zinsen.
Selbst wenn man die Dividenden sofort reinvestiert, wurden aus 100 € investiertem Kapital auf einmal nur noch 82,50 €.
Bei Aktien hingegen fallen Steuern erst dann an, wenn Aktiengewinne realisiert wurden – also beim Verkauf. Verluste können hier sogar gegengerechnet werden. Bis dahin tragen die gesamten Gewinne zum Kurswachstum bei, da nicht jedes Jahr ein Teil der Gewinne gleich den Steuern zum Opfer fällt.
2. Dividenden wirken sich negativ auf den Aktienkurs aus
Dividenden sind nicht etwas, das es „zusätzlich“ zum Kursgewinn der Aktie gibt, sondern nach Beschluss über die Dividendenhöhe auf der Hauptversammlung wird die Aktie „Ex-Dividende“ gehandelt. Die Börse zieht somit den Ausschüttungsbetrag der Dividenden einfach vom aktuellen Kurs ab.
Es macht somit (abgesehen von den zu zahlenden Steuern) keinen Unterschied, ob die Dividende im Unternehmen bleibt und somit den Kurs steigert – oder ausgeschüttet wird. Wer gerne zwischendurch Geld benötigt, kann schließlich auch bei einem Unternehmen ohne Dividendenzahlungen einige Aktien verkaufen und zu Geld kommen. Der Effekt auf die Gesamtrendite ist der Gleiche – aber man bestimmt diesen Zeitpunkt selbst.
3. Monatliche oder vierteljährliche Dividendenzahlungen sind am teuersten
So verlockend ein monatliches Dividendeneinkommen ist, so sinnbefreit ist der Kauf von Aktien nur vor dem Hintergrund, dass monatlich oder quartalsmäßig Dividenden bezahlt werden.
Bei jeder Ausschüttung fallen nämlich zusätzliche Gebühren an, die je nach Broker richtig ins Geld gehen können. Dieses „verlorene Anlagekapital“ kann dann keine Rendite mehr in der Zukunft erwirtschaften.
Gebühren und Kosten von Dividendenzahlungen
- Dividendengebühr: Bank / Broker verrechnet Geld für die Benachrichtigung und Abwicklung der Dividendenzahlung. (Online-Broker haben die Gebühr mittlerweile größtenteils gestrichen – Bei Filialbanken ist diese aber oft noch vorhanden).
- Wechselgebühr bzw. Wechselkurs: Bei ausländischen Aktien muss die Dividende erst in Euro umgerechnet werden, dafür verlangen viele Broker eine Gebühr oder nutzen einen unvorteilhaften Wechselkurs.
- Ordergebühren: Werden die Dividendenerträge genutzt, um erneute Wertpapiere zu kaufen, fallen Ordergebühren an.
4. Quellensteuern verursachen Zusatzaufwand
Bei Dividenden von ausländischen Unternehmen werden oft lokale Steuern eingehoben, die höher sein können als die KESt. in Österreich. Diese muss man dann mühsam über einen eigenen Antrag bei der Steuererklärung einfordern. Sofern diese Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Österreich haben, geht dies noch halbwegs. Ansonsten wird es noch komplizierter. Wer nur geringe Einnahmen aus ausländischen Dividenden hat, für den sind die Steuerberater-Kosten hier vermutlich höher als das Geld, welches er durch die Rückerstattung bekommt.
Weiterführende Links:
- WKO Liste der Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) von Österreich mit anderen Ländern
- Bundesministerium für Finanzen – DIAG Formular – Antrag auf Erstattung der Kapitalertragssteuer auf Dividenden
5. Dividenden-Aktien & Dividenden-ETFs haben meist nicht die beste Kurs-Performance
Dividenden sind eine Gewinnbeteiligung am Unternehmen. Wenn ein Unternehmen einen großen Teil seiner Gewinne ausschütte, bedeutet dies meist, dass es wenig Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Es gibt also nicht genügend Potenzial für das Unternehmen, um die Gewinne profitabel in das Wachstum des Unternehmens zu investieren.
Es gibt auch Aktien, die als Dividendenfallen (Dividend Traps) bezeichnet werden. Diese haben zwar (noch) hohe Gewinne, das Geschäftsmodell ist aber im Rückgang befindlich und der Marktwert nimmt oft stärker ab, als es durch Dividendenzahlungen ausgeglichen werden kann. Beispiel hierfür sind z. B. die Tabakindustrie oder Autobauer in Europa.
Wichtig ist auch die Ausschüttungsquote. Unternehmen, die fast den gesamten Gewinn – oder sogar mehr – ausschütten, stehen wirtschaftlich oft nicht gut da. In Zeiten globaler Krisen kann dies temporär sein, doch zeigt sich der Trend über mehrere Jahre, ist Vorsicht geboten.
Wachstumsaktien investieren Gewinne vorwiegend in das Wachstum des Unternehmens, die Entwicklung neuer Produkte oder die Expansion in neue Märkte. Statt Dividenden führt dies dann im Idealfall zu einem Kursanstieg, da das Unternehmen durch das Wachstum mehr Wert wird. Bei Dividendentiteln ist dieses Potenzial oft weniger ausgeprägt.
Vorsicht vor versteckten Dividenden bei ETFs
Es gibt bei ETFs zwei Arten. Ausschüttende ETFs schütten die Dividenden der im ETF enthaltenen Aktien regelmäßig an die Inhaber aus. Diese sind dann wie Aktien-Dividenden zu versteuern.
Thesaurierende ETFs hingegen behalten die Dividenden ein und reinvestieren sie. In Österreich gibt es hier jedoch den Begriff „ausschüttungsgleiche Erträge„. Das Finanzamt behandelt und versteuert diese, als wären sie tatsächlich an den Anleger ausgeschüttet worden.Â
Ein steuereinfacher Broker in Österreich legt zum Meldestichtag die KESt. automatisch fest und bucht sie dann vom Verrechnungskonto ab – dieses muss dann gedeckt sein.
Wichtig ist auch, dass es sich beim ETF um einen „Melefonds“ handelt, der die Daten an die Österr. Kontrollbank weitergibt. Die meisten großen ETF-Anbieter wie iShares, Vanguard oder Xtrackers sind hier gelistet. Wer sichergehen möchte, kann auf my.oeckb.at nachsehen, ob sein ETF gelistet ist.
Sind alle Dividenden-Aktien schlecht?
Nein. Natürlich gibt es auch gute Aktien mit Entwicklungspotenzial, die dennoch Dividenden ausschütten. Eine Dividende sollte jedoch nicht die Hauptmotivation bei der Anlageentscheidung sein. Die geringsten Nachteile hat man bei heimischen Dividendenaktien, gefolgt von europäischen Aktien aus Euroländern.
„Kurs-Stabilität“ von Dividenden-Aktien kann gerade in Krisenzeiten aber auch ein Pluspunkt sein. Solche Unternehmen haben oft ein Geschäftsmodell, das nicht so stark auf Konjunkturschwankungen reagieren, sowie hohe Cash-Reserven. Auch im Umfeld niedriger Zinsen sind Dividendenerträge eine relativ stabile Rendite-Quelle. Gerade Unternehmen, die laufend ihre Dividenden erhöhen sind hier beliebt.
Bei stabilen und guten Dividenden-Ausschüttungen hat man so in ein paar Jahren den Kaufkurs der Aktien schon wieder lukriert. Das lässt sich jedoch auch mit Wachstumsunternehmen erzielen, wenn man nach ein paar Jahren einfach so viele Aktien verkauft, dass der initiale Kaufpreis wieder auf dem Konto ist.
Laufende Ausschüttungen können das Handling von Wertpapieren aber auch vereinfachen, z.B. wenn man es als zusätzliches Einkommen zur Pension oder zur Deckung des Lebensunterhaltes verwendet. Auch psychologisch kann es die Lust auf Geldanlage in Aktien erhöhen, wenn man laufend „Erfolgserlebnisse“ in Form von Dividendenzahlungen erhält.
Aktien und ETFs in Fremdwährungen und häufigen Ausschüttungen sind hingegen eher teuer und mit Zusatzaufwand verbunden, der sich für kleine und mittlere Anlagesummen oft kaum rentiert.
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