Bargeldverbot und die Angst vor der totalen Überwachung

Bargeldverbot Comic: Überfall - NFC oder Überweisung?

Das Thema Bargeld ist aktuell in aller Munde. Es ist die Rede von einem drohenden Bargeldverbot. Während die einen bereits den totalen Überwachungsstaat und uns alle als gläsernen Menschen erkennen wollen, freuen sich andere über die Vorteile, die sie sich von bargeldloser Bezahlung erhoffen.

Was bringt es und welche Gefahren birgt es, das Bargeld abzuschaffen? Wie würde sich ein Bargeldverbot auf verschiedene Bereiche auswirken? Und stehen wir wirklich schon kurz vor einem Bargeldverbot?

Schützt ein Bargeldverbot besser vor Diebstahl?

Es kann für manche Menschen durchaus auch einige Vorteile mit sich bringen, gäbe es kein Bargeld mehr. Wer sich bisher davor fürchtete, auf der Straße oder zu Hause ausgeraubt zu werden, der wäre diese Angst dann los. Wenn bekannt ist, dass niemand mehr Bargeld bei sich trägt, schwindet der Reiz einen Diebstahl zu begehen. Es ist dann einfach nichts zu holen. Oder es ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, an das Geld zu kommen. Wenn man Bank- und Kreditkarten ergaunert, müsste man zuerst die Sicherheitsmaßnahmen überwinden, die dahinter stehen. Dazu braucht es Kenntnisse, die kleine Straßendiebe und Einbrecher oft nicht besitzen. Ein Bargeldverbot würde hier also durchaus die Kriminalität in der unmittelbaren Umgebung reduzieren und das direkte Umfeld etwas sicherer machen, da finanzielle Anreize ein Verbrechen zu begehen reduziert würden.

Weniger Bargeld, mehr Cyberkriminalität?

Allerdings würde ein Bargeldverbot wohl dazu führen, dass die Cyberkriminalität zunimmt und der Diebstahl sich in andere Bereiche verlagert. Während man noch Möglichkeiten hat, sein Bargeld an sicheren Orten zu verstecken, ist es nach einem Bargeldverbot und reinem Online-Vermögen nicht mehr so einfach. Man verlagert die Verantwortung an einen externen Dienstleister, etwa eine Bank und muss sich dann darauf verlassen, dass dieser Dienstleister gut auf das eigene Geld aufpasst.

Wer genug Vertrauen in Banken hat, wird mit einem Bargeldverbot wohl kein Problem haben. Wer lieber gerne die gesamte Verantwortung und Kontrolle über sein Vermögen behalten will und es gerne immer in Reichweite hat, dem würde ein Bargeldverbot vermutlich weniger gut behagen. Und dann hat uns die Vergangenheit noch gezeigt, dass auch Bankenpleiten geschehen können. Während in diesem drohenden Fall bisher das Bargeld einfach abgehoben werden konnte (Bank Run), wäre es ohne Bargeld möglicherweise nicht mehr so einfach möglich auf sein Geld zuzugreifen. Ein Bargeldverbot könnte aber Banken stabilisieren, die erst durch einen Bank Run den Todesstoß zu befürchten hätten, da ihnen auf diese Art wichtiges Kapital abhanden käme, das sie gerade in diesem Moment am meisten bräuchten.

Bargeldlos in den Überwachungsstaat?

Mit Bargeld ist es möglich, auch relativ anonyme Einkäufe zu tätigen. Will man also beispielsweise sein Sexleben etwas aufpäppeln und besucht eine Erotik-Filiale, so möchte nicht jeder einen Eintrag davon auf seinen Kontoaktivitäten haben. Manch einem ist das einfach unangenehm, wenn etwa der Bankberater nun einen indirekten Blick in das eigene Schlafzimmer erhält. Der nächste Banktermin könnte dann sehr peinlich werden. Wie beim Beispiel des Erotikshops kann man gut erkennen, dass die Art der Einkäufe durchaus einiges über die Menschen verraten können, die diese Einkäufe tätigen. Ein bestimmtes Liebesspielzeug kann durchaus Auskunft über die persönlichen Vorlieben geben. Dies trifft auch auf vielen anderen Bereichen zu. Diese Transparenz mag Sinn ergeben, um Bombenbastler ausfindig zu machen, die sich bestimmte Artikel kaufen, die einzeln harmlos, in Kombination aber tödlich sein können. Aber in den meisten Fällen betrifft es banale Dinge die von unbescholtene Bürgern gekauft werden, welchen dies sehr unangenehm sein kann, sollten andere ungewollte Einblicke in diese Einkäufe erhalten.

Bargeldlos zu bezahlen kann in manchen Bereichen illegale Machenschaften aufdecken, oder kriminelle Aktivitäten aufspüren und die Personen dahinter ausfindig machen. Aber es trägt auch dazu bei, dass jeder Mensch durchleuchtet werden kann. Man wird gläsern. Ein mögliches Bargeldverbot könnte also immer auch mit der Behauptung, die Sicherheit zu erhöhen, begründet werden.

Datenspuren und Verkauf persönlicher Daten als neue Währung

Hinzu kommt, was bereits seit dem aufkommen des Onlinehandels gut zu beobachten ist. Jeder Online-Einkauf hinterlässt Spuren. Jede Suchanfrage hinterlässt Spuren. Wenn ich recherchiere, welche neuen Smartphones auf dem Markt sind, dann ist es kein Zufall, dass ich auf unterschiedlichen Seiten oft genau diese Werbung angezeigt bekomme. Die Daten werden im Hintergrund gesammelt und entsprechend aufbereitet, um mir genau die Angebote anzuzeigen, die mich am ehesten zu einem Kauf verleiten könnten. Das kann sehr praktisch sein, wenn man ohnehin vorhatte zu kaufen. Man spart sich dadurch Zeit. Aber es kann auch lästig sein, da einem nur noch der Anbieter angezeigt wird, der auch Werbung schaltet, oder am meisten für diese Werbung ausgibt. Die persönliche Entscheidungsfreiheit wird dadurch eingeschränkt und der Einkauf wird teilweise fremdbestimmt. Aus diesem Grund nutzen viele bereits einen Adblocker, um jede Werbung auszublenden, da sie diese als Nötigung betrachten.

Diese gesammelten Nutzerdaten sind viel Wert und der Handel mit ihnen boomt. Im harmlosesten Fall wird mir nur das passende Smartphone angezeigt. Im schlimmsten Fall ist man einer totalen Überwachung ausgeliefert, denn man gibt (freiwillig) durch seine Such- und Surfaktivitäten alles von sich preis ohne genau zu wissen, wo diese Daten schlussendlich landen werden. Ein Bargeldverbot würde dazu führen, dass noch mehr Datenspuren hinterlassen werden, wenn z.B. alles mit der Karte, über NFC oder das Smartphone bezahlt wird. Ein Bargeldverbot würde in diesem Bereich die Profite erhöhen.

Bekämpft weniger Bargeld den Terror? Das Bargeldverbot light.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Angst vor einem Terroranschlag ins Bewusstsein vieler Menschen eingeprägt. Der Terroranschlag von Paris machte nochmal deutlich, dass der Terror auch direkt vor unserer Haustüre stattfinden kann und schon stattfindet. Aus diesem Grund erwägt die Deutsche Bundesregierung eine Obergrenze für Barzahlungen. So soll es nicht mehr möglich sein, Beträge über 5000 Euro in bar zu begleichen. Das Bundesfinanzministerium bezeichnet Bargeld, wie auch Prepaidkarten als ein wichtiges Vehikel für die Finanzierung von Terroristen, wie den Islamischen Staat (IS).

In vielen Bereichen kommt diese Regelung, sofern sie eingeführt wird, einem Bargeldverbot gleich. Etwa bei Juwelieren, bei Gebrauchtwagenhändlern, beim Kauf von Luxusartikeln oder Möbelhäusern. Diese bieten oft Waren an, die diese 5000 Euro-Grenze überschreiten und somit Bargeld nicht mehr akzeptieren dürften. Kritiker sehen in dieser geplanten Maßnahme bereits den Versuch langfristig das Bargeld abschaffen zu wollen, also ein Bargeldverbot zu forcieren.

Wird ein Bargeldverbot kommen?

Aber noch ist es nicht so weit. Derzeit wagt es im deutschsprachigen Raum nur eine kleine Minderheit ein Bargeldverbot zu erwähnen oder gar zu fordern. Die Mehrheit der Ökonomen und auch der politischen Vertreter scheint daran keinerlei Interesse zu haben. Das Hauptargument ist immer die Gefahr der Überwachung der Bürger und die Schaffung eines zukünftigen Überwachungsstaates. Auch wenn die Politik diese Kampagnen gegen das Bargeldverbot fährt, um Popularität zu generieren und dabei auf Stimmen hofft. Solange es dazu beiträgt kritische Entwicklungen zu hinterfragen, sollte es uns nur Recht sein. Ob ein Bargeldverbot mehr Negatives oder Positives bringt, wird dann wohl auch von den Rahmenbedingungen abhängig sein. Es ist also nie zu spät, sich bereits heute damit auseinanderzusetzen. Denn ein mögliches Bargeldverbot greift in jeden einzelnen Bereich unseres Lebens ein.

Wie ist Deine Meinung zum Bargeldverbot in Österreich?

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Dieser Beitrag ist ein Gastkommentar von Cahit Kaya

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