Wer über einen ETF-Sparplan in den S&P 500 oder in einen breiten Welt-Index investiert, kauft sich eigentlich in 500 bzw. hunderte Unternehmen ein – Streuung inklusive. Zuletzt ist aber ein Thema wieder verstärkt in den Finanzmedien aufgetaucht: Noch nie in der langen Geschichte des US-Leitindex haben so wenige Konzerne so viel Gewicht getragen. Wir schauen uns an, wie es dazu kam, was die Zahlen tatsächlich zeigen – und was das für Anleger:innen in Österreich bedeutet, die den S&P 500 oder den MSCI World im Depot haben.
Was ist der S&P 500 eigentlich?
Der S&P 500 ist der bekannteste Aktienindex der USA. Er bildet die rund 500 größten börsennotierten US-Unternehmen ab und wird von S&P Dow Jones Indices berechnet und verwaltet. Die Zusammensetzung wird vierteljährlich überprüft und bei Bedarf angepasst. Entscheidend für dieses Thema ist die Gewichtungsmethode: Der Index ist nicht „gleichgewichtet“ (jedes Unternehmen gleich viel), sondern nach Marktkapitalisierung gewichtet – genauer nach dem sogenannten Streubesitz („free float“), also jenem Teil der Aktien, der tatsächlich frei am Markt gehandelt wird. Je höher der Börsenwert eines Unternehmens, desto größer sein Anteil am Index. Der S&P 500 deckt damit rund vier Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung des US-Aktienmarkts ab und gilt deshalb als wichtigster Gradmesser für die US-Wirtschaft an der Börse.
Für heimische Anleger:innen ist das relevant, weil sehr viele gängige ETF-Sparpläne genau diesen Index 1:1 nachbilden (z. B. über UCITS-ETFs, die in Österreich zum Kauf verfügbar sind), oder weil US-Aktien einen großen Teil von „Welt-ETFs“ wie dem MSCI World ausmachen – dazu weiter unten mehr.
Die aktuellen Zahlen: Zehn Aktien tragen mehr als ein Drittel des Index
Wie konzentriert der S&P 500 aktuell ist, zeigt ein Blick auf die zehn schwersten Werte. Basis sind die tagesaktuellen Indexgewichtungen (Stand: 3. August 2026):
| Platz | Unternehmen | Gewicht im S&P 500 |
|---|---|---|
| 1 | Nvidia | 7,14 % |
| 2 | Apple | 6,66 % |
| 3 | Microsoft | 5,07 % |
| 4 | Amazon | 4,29 % |
| 5 | Alphabet (Google, Klasse A) | 3,29 % |
| 6 | Alphabet (Google, Klasse C) | 3,11 % |
| 7 | Broadcom | 2,72 % |
| 8 | Meta Platforms | 2,08 % |
| 9 | Tesla | 1,81 % |
| 10 | Berkshire Hathaway | 1,62 % |
| Summe Top 10 | ≈ 37,8 % | |
Hinweis: Alphabet ist mit zwei Aktiengattungen (A und C) im Index vertreten, gemeinsam kommt der Google-Mutterkonzern auf rund 6,4 %. Die Tagesgewichte schwanken naturgemäß mit den Kursen, die Größenordnung von rund 38 % ändert sich dadurch aber nur graduell.
Zum Vergleich: Alle sieben Mitglieder der sogenannten „Magnificent Seven“ (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia und Tesla) – jener Gruppe von US-Tech- und KI-nahen Konzernen, die seit 2023 die Kursentwicklung des Gesamtmarkts dominiert – finden sich unter den zehn Schwergewichten. Nur Broadcom und Berkshire Hathaway zählen nicht offiziell zu dieser Gruppe. Rechnet man den breiteren Technologiesektor (inklusive Halbleiter, Software, Kommunikationsdienste) zusammen, kommen manche Marktbeobachtungen auf einen Anteil von rund 45 % des Index – ein Niveau, das zuletzt während der Dotcom-Blase 1999/2000 erreicht wurde.
Ein Blick zurück: 145 Jahre Marktkonzentration
Damit sich einordnen lässt, wie ungewöhnlich die aktuelle Situation ist, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Die Analysefirma Visual Capitalist hat auf Basis von Daten von S&P Dow Jones Indices den Anteil der zehn größten Unternehmen am US-Aktienmarkt bis ins Jahr 1880 zurückverfolgt:
Zwischen 1880 und 2010 lag der Anteil der zehn größten Unternehmen im Schnitt bei rund 24 % – mit Ausschlägen nach oben (etwa in den 1940er- und 1960er-Jahren) und unten. Selbst auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 lag der Wert bei etwa 23 % (laut Berechnungen von RBC Wealth Management kletterte er unterjährig zwischenzeitlich auf rund 27 %, bevor die Tech-Blase platzte). Zwischen 2010 und 2024 hat sich der Anteil von rund 19 % auf 38 % verdoppelt – der höchste Wert der gesamten 145-jährigen Datenreihe. Bis Ende Juni 2026 ist der Wert laut aktuellen Indexgewichtungen leicht auf rund 36,5 % zurückgegangen (unter anderem, weil Berkshire Hathaway zwischenzeitlich aus den Top 10 gefallen und durch den Speicherchip-Hersteller Micron Technology ersetzt wurde). Am Gesamtbild ändert dieser leichte Rückgang aber nichts: Der Wert bleibt weit über dem historischen Durchschnitt und liegt nur knapp unter dem Rekordstand von 2024.
Auch neuere Berechnungen bestätigen den Trend, auch wenn die genaue Prozentzahl je nach Anbieter und Stichtag leicht variiert: RBC Wealth Management beziffert den Anteil der Top 10 Ende 2025 mit rund 40,7 % – eine Verdopplung allein in den vergangenen zehn Jahren. Goldman Sachs Research kommt mit einer eigenen Berechnungsmethode auf rund 33 % und hält fest, dass es in den vergangenen hundert Jahren insgesamt sieben Phasen mit einer derart „extremen“ Konzentration gegeben habe. Die unterschiedlichen Prozentwerte erklären sich durch verschiedene Berechnungsmethoden (z. B. Stichtag, Behandlung von Aktiengattungen) – am Befund selbst ändert das aber nichts: Der US-Aktienmarkt war noch nie so einseitig auf so wenige Konzerne ausgerichtet.
Warum ist der Index gerade jetzt so einseitig?
Für die aktuelle Rekordkonzentration werden vor allem drei Faktoren verantwortlich gemacht:
- Der KI-Boom treibt Gewinne und Kurse auseinander. Die großen Tech-Konzerne (allen voran Nvidia als Chip-Lieferant für KI-Rechenzentren) wachsen bei Gewinnen und Investitionen deutlich schneller als der Rest des Marktes. Nach Berechnungen des Vermögensverwalters Apollo lag das Gewinnwachstum der „Magnificent Seven“ 2024 bei rund 37 %, während der Rest des S&P 500 nur um rund 6 % zulegte.
- Massive Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Die großen Cloud-Anbieter („Hyperscaler“) stehen mittlerweile für einen erheblichen Teil der gesamten Investitionsausgaben („Capex“) im S&P 500 – mit entsprechendem Effekt auf ihre Marktbewertung.
- Der Verstärkereffekt des passiven Investierens. Je mehr Geld über Indexfonds und ETFs automatisch in den Markt fließt, desto mehr davon landet – proportional zur Gewichtung – bei den ohnehin schon größten Werten. Steigen deren Kurse, wächst ihr Indexgewicht weiter, was wiederum noch mehr passives Kapital anzieht.
Ein Unterschied zur Dotcom-Ära wird von Analyst:innen dabei oft betont: Anders als viele Internet-Unternehmen um die Jahrtausendwende erzielen die heutigen Schwergewichte tatsächlich hohe und wachsende Gewinne. Die Bewertungen sind dadurch zwar hoch (die Top 10 werden laut Goldman Sachs Research aktuell mit einem Aufschlag von rund 35 % gegenüber dem Rest des Index gehandelt), der Aufschlag ist damit aber niedriger als 2023 (rund 80 %) oder im Jahr 2000 (rund 100 %). Das ändert aber nichts am eigentlichen Klumpenrisiko: Die Entwicklung des Gesamtmarkts hängt zunehmend vom Erfolg weniger Konzerne ab.
Was bedeutet das für Anleger:innen in Österreich?
Viele österreichische Sparer:innen kommen über ETF-Sparpläne mit dem S&P 500 in Berührung – entweder direkt über einen S&P-500-ETF oder indirekt über einen MSCI-World-ETF, der oft als „breit gestreute“ Basisanlage beworben wird. Genau hier liegt aber eine wichtige Einschränkung: Der MSCI World gewichtet Länder ebenfalls nach Marktkapitalisierung – und die USA machen davon laut aktuellem MSCI-Factsheet (Stand 30. Juni 2026) rund 72,5 % des gesamten Index aus. Wer glaubt, mit einem „Welt-ETF“ automatisch breit über viele Länder gestreut zu sein, trägt in Wahrheit einen sehr ähnlichen Klumpen an US-Technologiewerten mit wie ein reiner S&P-500-Anleger.
Konkret heißt das nicht, dass ein S&P-500- oder MSCI-World-ETF plötzlich eine schlechte Anlage wäre – beide zählen weiterhin zu den kostengünstigsten und am breitesten diversifizierten Bausteinen, die Privatanleger:innen zur Verfügung stehen. Es lohnt sich aber, sich bewusst zu machen, wovon die eigene Rendite tatsächlich abhängt: Läuft es bei Nvidia, Apple, Microsoft & Co. schlecht, spürt das ein Depot mit S&P-500- oder MSCI-World-ETF deutlich stärker, als es der Name „breiter Weltindex“ vermuten lässt. Wer dieses Klumpenrisiko bewusst reduzieren möchte, kann sich unter anderem mit folgenden Ansätzen auseinandersetzen:
- Gleichgewichtete („Equal Weight“) ETFs, bei denen jedes Unternehmen unabhängig von seiner Marktkapitalisierung denselben Anteil erhält.
- Beimischung anderer Regionen abseits der USA, etwa über Schwellenländer- oder Europa-ETFs, um die Länder- und Sektorgewichtung im Gesamtdepot auszubalancieren.
- Bewusstes Aushalten des Risikos, wenn man auf lange Sicht (z. B. über einen Sparplan-Horizont von Jahrzehnten) an der Substanz der Top-Konzerne festhalten möchte.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Ob und in welchem Ausmaß ein Klumpenrisiko im eigenen Depot sinnvoll ist, hängt von der persönlichen finanziellen Situation, dem Anlagehorizont und der Risikobereitschaft ab.
Fazit
- Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 vereinen aktuell rund 38 bis 41 % der gesamten Indexgewichtung auf sich – je nach Berechnungsmethode der höchste Wert der vergangenen 145 Jahre.
- Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet stellen gemeinsam bereits mehr als ein Viertel des Index.
- Getrieben wird die Konzentration vor allem vom KI-Boom, hohen Investitionen der Tech-Konzerne und dem Verstärkereffekt des passiven Investierens.
- Auch der MSCI World ist davon betroffen, da US-Aktien rund 72,5 % des Index ausmachen.
- Für Österreichs Sparer:innen heißt das vor allem: das eigene Depot kennen – und wissen, wovon die Rendite tatsächlich abhängt.


