Nach der längsten Rezession der Nachkriegszeit zeigt Österreichs Wirtschaft erste Erholungszeichen, doch die Herausforderungen bleiben beträchtlich. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) prognostiziert für 2025 ein BIP-Wachstum von nur 0,3 %, während die Inflation auf 3,5 % ansteigt. Diese Entwicklung spiegelt die komplexe Situation wider, in der sich das Land zwischen wirtschaftlicher Erholung und anhaltenden Preisdrücken bewegt.
Das Ende der historischen Rezession
Sieben Quartale wirtschaftlicher Stagnation
Die österreichische Wirtschaft durchlebte von Anfang 2023 bis Ende 2024 ihre längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Sieben Quartale in Folge schrumpfte oder stagnierte die Wirtschaftsleistung, wobei das reale BIP zwischen dem vierten Quartal 2022 und dem dritten Quartal 2024 um 2,8 % zurückging.
Besonders betroffen waren:
- Sachgütererzeugung: Massive Einbrüche durch hohe Energiepreise
- Bauwirtschaft: Rückgang um 11,4 %
- Handel, Verkehr und Lagerei: Schwächelnde Konsumnachfrage
- Gastronomie und Beherbergung: Noch immer unter Druck

Die Rolle der Energiekrise
Die energieintensiven Branchen trugen maßgeblich zum wirtschaftlichen Einbruch bei. Holz, Papier, Chemie, Glas, Keramik und Metallerzeugung litten besonders unter den drastisch gestiegenen Energiekosten infolge des Ukraine-Kriegs. Die Industrieproduktion sank zeitweise um bis zu 9 % gegenüber dem vierten Quartal 2022.
Wachstumsprognose: Verhalten optimistisch
BIP, Inflation & Arbeitslosenquote im Überblick
| Jahr | BIP-Wachstum | Inflation (HVPI) | Arbeitslosenquote |
|---|---|---|---|
| 2025 | 0,3 % | 3,5 % | 7,4 % |
| 2026 | 0,8 % | 2,4 % | 7,4 % |
| 2027 | 1,1 % | 2,3 % | 7,2 % |
Risikofaktoren belasten den Ausblick
Die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum überwiegen deutlich. Hauptprobleme sind:
- Euroaufwertung und höhere US-Zölle: Belasten die Exportwirtschaft
- Schwache internationale Nachfrage: Österreich verliert Marktanteile
- Hartnäckige Inflation: Dämpft die Konsumstimmung
- Zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen: Könnten das Wachstum weiter bremsen
Inflation: Der hartnäckige Begleiter
Energiepreise als Haupttreiber 2025
Die Inflation steigt 2025 spürbar auf 3,5 % an, hauptsächlich verursacht durch:
Auslaufende staatliche Entlastungsmaßnahmen:
- Ende der Strompreisbremse
- Rücknahme der Senkung der Elektrizitäts- und Erdgasabgabe
- Wiedereinhebung der Erneuerbarenpauschale
- Erhöhung der CO2-Bepreisung von 45 auf 55 EUR/Tonne
Diese Maßnahmen ließen die Strompreise im Januar 2025 um 45 % steigen, während Gaspreise um etwa 10 % zulegten.
Treiber der Inflation seit 2021 & Prognose bis 2027

Dienstleistungen als dauerhafter Preistreiber
Mit einem Gewicht von 48 % im Warenkorb bleiben Dienstleistungen der zentrale Inflationstreiber. Die Dienstleistungsinflation geht zwar 2025 auf 4,3 % zurück, bleibt aber aufgrund der lohnintensiven Struktur hartnäckig hoch.
Tariflohnwachstum in Österreich über EU-Schnitt
Die Gewerkschaften haben in Österreich besser verhandelt als im Rest Europas. Kurzfristig gut für Arbeiter und Angestellte – mittelfristig leiden dafür aber alle Österreich unter höheren Preisen, da die Kosten meist an Konsumenten weitergegeben werden.

Geplante Gebührenerhöhungen verstärken den Druck:
- E-Card Servicegebühr: +81 %
- Reisepass und Führerschein: +48 %
- Klimaticket: +19 % (2025), weitere +8 % (2026)
- Wiener Öffis und Parkgebühren: +30 % (2026)
Der Blick nach vorne: Graduelle Entspannung
2026: Automatische Inflationserholung
Die Inflation sinkt 2026 auf 2,4 %, hauptsächlich durch den Wegfall der Energiepreiseffekte von 2025. Ohne weitere Preisschocks würde die Energieinflation automatisch zurückgehen, da die drastischen Preisanstiege zu Jahresbeginn 2025 als Vergleichsbasis wegfallen.
Indexierungen: Weniger dramatisch als befürchtet
Entgegen häufiger Diskussionen zeigt die OeNB-Analyse, dass nur 13 % des Warenkorbs automatischen Indexierungsregeln unterliegen. Bei einem hypothetischen Inflationsschock von 1 % würden Indexierungen und Lohnerhöhungen das Preisniveau nach vier Jahren um lediglich 0,7 Prozentpunkte zusätzlich erhöhen.
Fazit: Geduld ist gefragt
Österreichs Wirtschaft befindet sich an einem Wendepunkt. Nach der längsten Rezession der Nachkriegszeit zeigen sich erste Erholungszeichen, doch der Weg zurück zu robustem Wachstum wird steinig. Die Kombination aus schwachem Wachstum und hartnäckiger Inflation erfordert sowohl von der Wirtschaftspolitik als auch von Unternehmen und Haushalten strategische Geduld und umsichtige Planung.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich die vorsichtig optimistischen Prognosen der OeNB bewahrheiten oder ob externe Schocks wie Handelskonflikte oder weitere Energiepreissteigerungen die Erholung verzögern.
Interesse an noch mehr Hintergrundinfos?
Dann sehen sie sich das Video der österreichischen Nationalbank zur Interimsprognose für 2025 an:
Quelle: OeNB


