Was sind Anleihen? Einfache Erklärung zu Arten, Risiko, Kennzahlen, Handel, Kaufen
Anleihen bieten Anlegern die Möglichkeit, Unternehmen oder Staaten Geld in Form von Fremdkapital zu überlassen. Laufzeit und Zins sind dabei im Vorhinein festgelegt und unterliegen keinerlei Schwankungen. Dafür besteht ein Ausfallrisiko, was vor allem bei Unternehmensanleihen zum Tragen kommt. Aber auch Anleihen von Staaten können platzen, wie der Fall Griechenland zeigt. Die meisten Anleihen kann man über einen Online Broker an der Börse handeln oder wie z.B. bei der SPAR Anleihe über deren eigenes Gratis-Depot.

Die wichtigsten Kennzahlen der Anleihe

Das Finanzprodukt Anleihe ist einfach zu verstehen. Ein Unternehmen oder ein Staat beschafft sich mit der Emission einer Anleihe Fremdkapital. Kapitalgeber ist aber nicht eine Bank, sondern der Markt – letztlich also alle Personen, die Geld an den Finanzmärkten investieren möchten. Sobald die Anleihe auf dem Markt ist, können Anleger diese kaufen. Das Geld steht dem Unternehmen dann über einen festgelegten Zeitraum zur Verfügung. Genau wie bei einem Kredit auch, muss das Kapital vollständig zurückgezahlt werden. Allerdings geschieht dies nicht über die Laufzeit hinweg, sondern einmalig zu deren Ende. Um die Vorteilhaftigkeit einer solchen Investition beurteilen zu können, müssen Anleger folgende Kennzahlen kennen:
  • Rendite Die Rendite ist die wichtigste Kennzahl und wird pro Jahr angegeben. Sie ergibt sich aus der Laufzeit, den festgelegten Zinszahlungen, dem Rückkaufkurs und dem Kaufkurs der Anleihe. Dabei bezieht sich die erwartete Rendite immer auf den Fall, dass der Anleger die Anleihe wirklich bis zum Laufzeitende behält. Maßgeblich wird die Rendite vom aktuellen Marktzins und der Bonität des Emittenten Sind die Marktzinsen hoch, erhält der Anleger beim Anleihekauf ebenfalls hohe Zinsen. Zusätzlich zum Marktzins bezahlen alle Unternehmen oder Staaten einen Risikozuschlag, der sich anhand der Bonität bemisst. Genau wie bei privaten Kreditnehmern gilt auch hier: Je geringer die Bonität, desto höher ist der zu zahlende Zins.
  • Kupon In der Regel schütten Anleihen die Zinszahlungen regelmäßig an den Anleger aus. Diese Zahlungen werden auch Kupon genannt und stehen im Vorhinein fest. Allerdings ist der Kupon nicht mit der Rendite zu verwechseln. Das liegt daran, dass der Kurs der Anleihe schwanken kann und diese an den Börsen gehandelt wird. Sinkt zum Beispiel der Kaufkurs, bleibt der Kupon konstant. Die Rendite steigt dann allerdings an.
  • Nennwert Jeder Anleihe verfügt über einen Nennwert, auf den sich der Kupon bezieht – daher auch die Schwankungen in der Rendite. Dieser Nennwert ist gleichzeitig der Betrag, den Anleger am Laufzeitende wieder zurückbekommen. Gängig sind hierbei Stückelungen, die ab 1.000 Euro beginnen.
  • Kurswert Durch den börsentäglichen Handel mit Anleihen kann es zu den bereits kurz angesprochenen Kursschwankungen kommen. Der Kurswert wird immer prozentual am Nennwert bemessen.
  • Restlaufzeit Die Restlaufzeit gibt an, wann das Unternehmen oder der Staat die Anleihe zurückzahlen muss.

Wie risikoreich sind Investitionen in Anleihen?

Klare Antwort: Es kommt darauf an. Es gibt sehr sichere Anleihen, deren Risiko in etwa so groß ist wie beim Festgeld. Das betrifft vor allem Staatsanleihen, wobei auch hier Vorsicht geboten ist. Griechische Anleihen sind alles andere als sicher, deutsche, österreichische oder niederländische Staatsanleihen weisen hingegen kein Risiko auf. Grundsätzlich ist das Risiko der Anleihe immer am Zins abzulesen. Je höher dieser ist, desto größer ist das Ausfallrisiko – zumindest in der Theorie. In der Praxis sollten Anleger, genau wie bei Aktieninvestitionen auch, die Bilanzen der Unternehmen und deren Zukunftsperspektiven prüfen. Anhand dessen kann beurteilt werden, ob der Zahlungsausfall wahrscheinlich ist.

Welche Arten von Anleihen gibt es?

Anleihen unterscheiden sich vor allem aufgrund des jeweiligen Emittenten und damit auch der Risikoklasse voneinander. Ein Überblick:
Anleiheart Beschreibung
Euro-Staatsanleihen Hiermit sind alle Staatsanleihen gemeint, welche innerhalb der Euro-Zone ausgegeben werden. Wie bereits erwähnt wurde, hängt das Risiko stark vom Emittenten ab.
Emerging Markets Bonds Die Anleihen stammen aus Schwellenländern wie Brasilien oder dem Iran. Das Risiko ist grundsätzlich hoch, die Rendite aber ebenfalls. Die Anleihen eignen sich daher eher für Anleger, die spekulativen Motiven nachgehen möchten.
Low-Kupon-Anleihen Diese Anleihen verfügen über eine sehr niedrige Nominalverzinsung. Dafür liegt der Kaufkurs weit unter dem Nennwert, die Rendite für Anleger ergibt sich also am Ende der Laufzeit, weil die Auszahlungssumme deutlich höher ist als der Kaufpreis.
Unternehmensanleihen Die beliebteste und meistgehandelte Anleihe. Auch hier gilt: Das Risiko hängt stark vom Emittenten ab. Anleihen von beispielsweise SAP oder SPAR sind meist weniger risikoreich als von unbekannten Unternehmen.
Wandelanleihen Grundsätzlich handelt es sich ebenfalls um festverzinsliche Anleihen. Diese können von Anlegern aber während der Laufzeit in eine vorher festgelegte Anzahl an Aktien eingetauscht werden. Sobald diese Möglichkeit genutzt wird, ist der Anleger automatisch Teilhaber an der jeweiligen Aktiengesellschaft. Er verliert hierdurch seinen Zinsanspruch, partizipiert aber an Unternehmensgewinnen.

Wie können Anleihen gehandelt werden?

Für Anleihen existieren teilweise geregelte Märkte. Besonders bei hohen Emissionsvolumen von mehreren hundert Millionen Euro ist es möglich, die Anleihen börsentäglich zu kaufen oder zu verkaufen. Möglich ist das in diesem Fall über den eigenen Broker, der den entsprechenden Marktzugang bereitstellt. Der Emittent kann die Emission aber auch selbst bzw. nicht öffentlich durchführen. Dann können Anleger die Anleihen beispielsweise über die Homepage des jeweiligen Konzerns erwerben.

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Unterschied Festgeld und Anleihen

Grundsätzlich ähneln sich Festgelder und Anleihen. Sie verfügen über eine feste Laufzeit, werden vollständig abbezahlt und die Zinszahlungen sind im Vorhinein ersichtlich. Unterschiede ergeben sich vor allem bezogen auf Sicherheit und Flexibilität:
  • Festgeld ist selten vorzeitig kündbar, Anleihen können jederzeit verkauft werden, wenn sich ein Abnehmer findet.
  • Festgeld in der EU ist mit einer Einlagensicherung von 100.000 Euro Bei Anleihen greifen keinerlei Sicherungsfonds, das Geld ist im Insolvenzfall des Unternehmens weg.
  • Festgeld kann meist mit Beträgen von 1.000 bis 100.000 Euro angelegt werden. Bei Anleihen gibt es Stückelungen, die in der Regel ab 1.000 Euro beginnen.

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Fazit: Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere mit mittlerem Risiko und Potential

Anleihen sind in der Theorie etwas sicherer als Aktien, können aber trotzdem gute Renditen erwirtschaften. Der Vorteil: Rückzahlung und Zinsen sind bereits im Vorhinein festgelegt. Kursschwankungen gibt es zwar, diese sind aber nur bei vorzeitigen Verkäufen von Relevanz. Wie hoch die Zinszahlungen letztlich ausfallen, hängt vor allem von der Bonität des Unternehmens ab. Erworben werden können die festverzinslichen Wertpapiere über den eigenen Broker oder das Unternehmen selbst.

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